Sind Kinder und Studium, bzw. Promotion vereinbar?

Ich selbst bin während der Promotion Vater geworden und meine Frau nutzt die Elternzeit um noch ein zweites Studium drauf zu satteln. Auch um uns herum gibt es einige Freunde, die bewusst die Promotion und Familie kombinieren. Die Erfahrungen sind durchweg positiv, auch wir würden es sofort wieder so machen. Wenn man sich aber die Statistiken ansieht, stellt man fest, dass wir eher untypisch sind: Besonders unter Akademikern ist die Kinderlosigkeit weit verbreitet, unter 30 erst recht.

Steffi David Daniel KochIch bin in diesen Fragen recht undogmatisch und weit entfernt von den oft tobenden ideologischen Schlachten. Es soll jeder seine/ihre Familienplanung nach eigenem Gutdünken gestalten. Für uns war dieser Weg gut, für andere kann das anders sein. Was mich aber zornig macht, ist, wenn dem Kinderwunsch Steine in den Weg gelegt werden. Kinder sind so entscheidend und wertvoll für jede Gesellschaft, dass sie alles tun sollte, um potentiellen Eltern die Entscheidung leicht zu machen.

Dazu gehört für mich auch die Frage, wie man familienfreundliche Rahmenbedingungen schaffen kann. Dass man sich bei Reformen auch immer fragt: erleichtert oder erschwert diese Maßnahme die Vereinbarkeit mit Kindern?

Stefanie und ich leben diesbezüglich auf einer  Insel der Seeligen und können uns wahrlich nicht beklagen: ich konnte mir als Promotionsstipendiat mit 1/4 Stelle am Lehrstuhl meine Zeit weitgehend frei einteilen, sie ist noch für einen der alten Magister-Studiengang immatrikuliert. Gemeinsam können wir die Kinderbetreuung flexibel organisieren, und sie kann ihr Studientempo den Gegebenheiten anpassen. So kommt man zwar etwas langsamer voran und muss etwas sorgfältiger wirtschaften, kann aber trotzdem seinen Kinderwunsch erfüllen, ohne die Ausbildung abbrechen oder das Kind gleich abgeben zu müssen. Ich weiß nicht, ob wir ohne diese Flexibilität wir das Wagnis “Familie gründen” so früh eingegangen wären.

Auf Spiegel Online erschien neulich ein Artikel mit dem bezeichnenden Namen Kinderfeind Bachelor. Ähnliche Probleme ergeben sich bei fest strukturierten Promotionsprogrammen. Ich habe grundsätzlich nichts gegen diese Neuerung. Aber sie sind ein erneutes Beispiel, dass die Bedürfnisse von Kindern und jungen Familien in dieser Gesellschaft viel zu wenig berücksichtigt werden. Hat jemand die gschilderten Probleme berücksichtigt, als die neuen Studiengänge konzipiert wurden? Warum gibt es kaum Teilzeitstudiengänge? Warum gibt es bei den Stundenplänen keine Sonderregelung für Eltern? Warum ist der Faktor “Kind” immer wieder schlichtweg irrelevant? Und dann jammert man über die demographische Entwicklung, die Überalterung der Gesellschaft und die “bösen” Akademikerinnen (warum eigentlich nur über die Frauen? – Wir Männer sind genauso verantwortlich!), die nicht genug Kinder bekommen.

Ich fordere hier keine staatlich initiierten Geburtenförderprogramme an den Universitäten. Aber ich plädiere für Rahmenbedingungen, die es erleichtern, Studium, bzw. Promotion und Kind zu kombinieren. Ich plädiere für flexible Regelungen, die es ermöglichen auch jenseits des Mainstreams (Ausbildung, Berufserfahrung sammeln, Kariere starten, dann hoffentlich nicht zu alt sein für Kinder) seinen Weg zu gehen. Ich plädiere für eine kinderfreundliche Grundhaltung, welche die ganze Gesellschaft durchzieht und Einfluss hat auf alle wichtigen Entscheidungen.

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6 Responses to “Kinder während Studium und Promotion – Ein Plädoyer für mehr Flexibilität”

  1. Carsten

    Ich kann dir nur zustimmen. Wir würden unseren kleinen zwar gerne an ein oder zwei Tagen die Woche in die Kita geben – die haben aber alle so seltsame (und vor allem starre) Zeiten, zu denen man die Kinder bringen / abholen kann, dass wir ihn schon quasi Vollzeit abgeben müssten, damit uns das bei der Tagesplanung mit Promotion und Arbeit hilft. Aber 45 Stunden die Woche wollen wir den kleinen nun wirklich noch nicht weggeben – von den Kosten mal ganz abgesehen.

  2. E.T.

    Nun, erst behauptet man, völlig undogmatisch an die Sache heranzugehen. Und dann kommen Sätze wie:

    “Kinder sind so entscheidend und wertvoll für jede Gesellschaft, dass sie alles tun sollte, um potentiellen Eltern die Entscheidung leicht zu machen.”

    Das sehen viele eben anders. Vielleicht zurecht?

    “Aber sie sind ein erneutes Beispiel, dass die Bedürfnisse von Kindern und jungen Familien in dieser Gesellschaft viel zu wenig berücksichtigt werden.”

    Und was sind die Bedürfnisse von Kindern? Jede Antwort auf diese Frage wäre schon mal dogmatisch. Warum das Kind denn nicht 45 Stunden die Woche weggeben? Es ist gut betreut und hat endlich mal andere Bezugspersonen und Gleichaltrige. Soll die Intelligenz fördern.

  3. Sy

    Ich studiere auch bin 21 und mein Sohn ist 8 Monate – durch meinen Bachestudiengang konnte ich gar kein urlaubssemester im 1 oder 2. Semester nehmen, daher habe ich weiter studiert nachdem ich meinen Sohn in den Semesterferien bekommen habe. Jetzt habe ich auf den letzten Diplomgang umgesattelt um mehr Zeit zu haben und so ist es!!

    Ich gebe meinen schatz nicht freiwillig weg und jede Minute mit ihm koste ich aus, es bricht mir das Herz ihn von anderen Leuten betreuen zu lassen, schliesslich ist er mein Sohn und ich habe das was, was ich Mutterinstinkt nenne, der nicht zulässt den Kleinen lange aus den Augen zu lassen!!

    Mit dem diplomgang kann alles bis jetzt Super einteilen und ich habe vor noch mehr Kinder zu bekommen!

  4. scholarz.net blog » Blog Archive » scholarz.net blog – Alles um Wissenschaftlich Arbeiten

    [...] Die HU Berlin wurde als familiengerechte Hochschule zertifiziert. Sie erhält damit die Anerkennung für ihre langjährigen Bemühungen, Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu entwickeln. Dafür müssen familienfreundliche Arbeits- und Studienbedingungen geschaffen werden. Dazu gehören zum Beispiel die Erweiterung der familienfreundlichen Infrastruktur an der Universität durch die Einrichtung zusätzlicher Spielecken und Aufenthaltsbereiche, die Einrichtung einer Servicestelle für die familienbezogene Beratung sowie die Erleichterung der Studienorganisation für Studierende mit familiären Aufgaben. Find ich klasse. [...]

  5. Anna

    Wer weiss, kann man sich als Promotionsstudent (an der Uni eingeschrieben, Regelstudienzeit 6 Semester) wegen Schwangerschaft bzw. Kinderbetreuung im 4. Promotionssemester beurlauben lassen? Ist es dabei möglich, zwei Urlaubssemester nacheinander beantragen?
    Hat jemand Erfahrung?
    Danke!

  6. daniel.koch

    Hallo! In Würzburg bekommt man 6 Semester pro Kind. Durchaus also auch 6 Jahre in Folge.
    Viele Grüße
    Daniel

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