Franck, Norbert; Stary, Joachim (Hg.): Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens. Eine praktische Anleitung. 14., überarbeitete Auflage. Paderborn: Schöningh 2008. 307 S. 17,90 €.

Zielgruppe
Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens von Franck/Stary ist eine allgemeine Einführung , die sich richtet in erster Linie an Studenten richtet. Obwohl der Fokus klar auf dem Abfassen von Hausarbeiten liegt, werden auch weitere Bereiche wissenschaftlichen Arbeitens wie das Präsentieren durch Vorträge oder Referate und das Verhalten in wissenschaftlichen Diskussionen thematisiert. Dank dieses breiten Spektrums kann es auch für solche, die bereits Erfahrungen im wissenschaftlichen Arbeiten gesammelt haben, wertvolle hinweise und Anregungen bieten. Weniger eingegangen wird hingegen auf die spezifischen Anforderungen bestimmter Typen wissenschaftlicher Arbeiten (Diplomarbeit, Magisterarbeit, Dissertation, etc.), ebenso wird auch wenig auf fächerspezifische Unterschiede eingegangen.

Aufbau
Das Buch besteht aus einer Sammlung von Beiträgen verschiedener Autoren aus den Bereichen Pädagogik, Linguistik, Geschichte, Politikwissenschaft, Psychologie. Es ist damit nicht „aus einem Guss“ geschrieben wie manch anderes seiner Zunft, was aber durchaus Vorteile mit sich bringt: Einzelne Fragen wie die Verwendung des „ich“ in wissenschaftlichen Arbeiten können hier aus verschiedenen Perspektiven diskutiert werden, wodurch einem allzu dogmatischen Anweisungsstil vorgebeugt wird. Zudem eröffnet sich die Möglichkeit, mit verschiedenen narrativen Techniken zu arbeiten: So ist die von Wolf-Dieter Narr verfasste Einleitung „Was ist Wissenschaft? Was heißt wissenschaftlich Arbeiten? Was bringt ein wissenschaftliches Studium?“ in Form eines persönlichen Briefes an den/die studentische(n) Leser(in) gerichtet, in dem in eher subjektiven Ton ein Plädoyer für das Interesse an der Wissenschaft und den Mut, einen eigenen Standpunkt zu vertreten, geführt wird. Der daran sich anschließende Hauptteil orientiert sich inhaltlich wie die meisten Ratgeber im Wesentlichen an den typischen Stationen auf dem Weg zur fertigen wissenschaftlichen Arbeit: Ermitteln, Lesen und Verwalten von Literatur, Abfassen eines wissenschaftlichen Textes, Zitieren, Belegen und Erstellung eines Literaturverzeichnisses. Hinzu kommen schließlich noch Ratschläge zum Überwinden von Schreibblockaden sowie Kapitel zum Präsentieren in Referaten und Vorträgen, zum Medieneinsatz in solchen Präsentationen und zum Verhalten in wissenschaftlichen Diskussionen. Abgerundet wird das Buch durch ein Literaturverzeichnis und ein Sachwortregister.

Beurteilung
Während das Versammeln von Beiträgen verschiedener Autoren in manch anderem Ratgeber eher zur Verwirrung beiträgt und als eine Aneinanderreihung heterogener, teilweise unzusammenhängender Informationen erscheint, entpuppt es sich in diesem Buch wie bereits erwähnt durchaus als Stärke. Die Wechsel in Stil und narrativer Technik bringen einen Abwechslungsreichtum mit sich, der erfolgreich zwischen den beiden auf dem Markt beobachtbaren Extremen – allzu nüchterner Faktenschilderung auf der einen und allzu anbiedernder, persönlicher Ratgeberei auf der anderen Seite – vermittelt. Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens wird dadurch illustrativ, ohne zugleich allzu dogmatisch zu sein. Dem Studenten werden damit eher die verschiedenen Möglichkeiten, die ihm in den einzelnen Phasen wissenschaftlichen Arbeitens offenstehen, präsentiert, als ihm ein genaues Prozedere vorzuschreiben. Damit soll jedoch nicht gesagt sein, dass hier nicht trotzdem immer wieder klare Anweisungen gegeben würden, wenn dies nötig ist. –beim Zitieren, Bibliographieren oder beim Aufbau einer Arbeit gibt es nun einmal auch gewisse Strukturen, die nicht allzu viel Spielraum lassen.
Kritisieren ließe sich an dieser Stelle freilich, dass durch diesen „Spielraum“ hin und wieder auch explizit oder implizit widersprüchliche Anweisungen gegeben werden. So plädiert Narr in seiner Einleitung für den Mut zum „ich“ in wissenschaftlichen Arbeiten, während Franck im Kapitel „wissenschaftliche Texte schreiben“ die Verwendung von „ich, man oder wir“ vom jeweiligen Kontext abhängig macht. Auch in Starys Kapitel „wissenschaftliche Literatur lesen und verstehen“ fragt man sich, ob die Anmerkung, Ausdrücke wie „immer, stets, natürlich“ wiesen auf einen „dogmatischen“ Stil hin, nicht implizit als Aufforderung beinhaltet, sich stattdessen bevorzugt relativierender Ausdrücke wie „oft, häufig, vielleicht“ zu bedienen, was dem allgemein spürbaren Ansatz des Buches, mit wissenschaftlichem Arbeit auch Stellung zu beziehen, widersprechen würde. Vorausgesetzt ist somit eine gewisse Eigenständigkeit des studentischen Lesers: Er sollte in der Lage sein, verschiedene Positionen gegeneinander abzuwägen und die Ratschläge auf die eigene Situation hin zu beurteilen. Denn man wird hier zwar auch an die Hand genommen, aber nicht in Form eines eindeutigen Punkt-für-Punkt-Plans, von dem es nicht abzuweichen gilt.
Von ihren Proportionen her sind die Beiträge durchaus ausgewogen. Auch wenn es nicht nur um das abfassen schriftlicher Arbeiten geht, ist diesen ein wesentlicher Teil des Buches gewidmet, was eben auch ihrer Relevanz im Studium entspricht. Ebenso wird innerhalb dieses Teils auch schwerpunktmäßig auf das wirkliche Schreiben des wissenschaftlichen Textes eingegangen: Das entsprechende Kapitel umfasst mit seinen knapp 60 Seiten fast ein viertel des Buches, wobei mehr auf wirkliche Schreibtipps wert gelegt wird als auf Layoutstandards, die im Endeffekt dann doch mit jedem Dozenten persönlich besprochen werden sollten.

Fazit
Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens von Franck/Stary ist eine hervorragende, vielseitige Einführung in den Themenbereich, von deren Herangehensweise und Struktur manch anderer Ratgeber dieses Segments noch etwas lernen könnte. Er eignet sich vorwiegend für Studenten, die noch wenig Erfahrung mit dem wissenschaftlichen Arbeiten haben. Für Studenten höherer Semester oder gar Graduierte hält er zwar möglicherweise noch den einen oder anderen wertvollen Tipp bereit, wird aber ansonsten aufgrund seiner allgemeinen Ausrichtung wenig Neues bieten können, weswegen. Hier gibt es in der Regel spezifischere Ratgeber, die genauer auf die individuellen Anforderungen (bestimmte Fachrichtung, bestimmte Art der Arbeit) eingehen.

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