Die meisten Leser und Nutzer von scholarz.net haben viel Energie in ihre Ausbildung gesteckt. Nun stellen Sie sich vor, Sie müssen umziehen, und plötzlich war alles wertlos. Ein Bekannter von mir hat eine Iranerin mit abgeschlossenem Hochschulstudium geheiratet. Sie freute sich auf Ihre neue Heimat und wollte sich hier gut integrieren. Nach 2-jährigem Bürokratiekrieg gilt Sie offiziell als Inhaberin eines Qualis (Hauptschulabschluss) und ist reichlich desillusioniert. So geht es vielen Zuwanderern. Ich will hier nicht laxen Einwanderungsbestimmungen das Wort reden, aber wir Menschen ins Land lassen, dann müssen wir ihnen auch die Chance geben, ihre Fähigkeiten einzubringen und ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Zu dem Thema hat das IAQ an der Universität Duisburg-Essen eine Studie veröffentlicht.

Die HU Berlin wurde als familiengerechte Hochschule zertifiziert. Sie erhält damit die Anerkennung für ihre langjährigen Bemühungen, Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu entwickeln. Dafür müssen familienfreundliche Arbeits- und Studienbedingungen geschaffen werden. Dazu gehören zum Beispiel die Erweiterung der familienfreundlichen Infrastruktur an der Universität durch die Einrichtung zusätzlicher Spielecken und Aufenthaltsbereiche, die Einrichtung einer Servicestelle für die familienbezogene Beratung sowie die Erleichterung der Studienorganisation für Studierende mit familiären Aufgaben. Find ich klasse.

Einmal zum Blutabnehmen, eine Urinprobe, und alle wichtigen Vorsorgeuntersuchungen sind erledigt – das ist die Vision, die hinter dem neuen Europäischen Proteinforschungsinstitut PURE (Protein Research Unit Ruhr within Europe) steht. Hier arbeiten Forscher der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Duisburg-Essen Hand in Hand, um krankheitsanzeigende Proteine zu entdecken. Wäre super wenn sie ihr Ziel erreichten.

Was stach diese Woche aus den Pressemeldungen der Universitäten hervor?
Die Studentenproteste wollen wir heute außen vor lassen, aber es fällt auf, dass es immer mehr Gespräche mit Präsidenten und Ministern gibt. Die Ausdauer scheint sich zu lohnen. Daneben fand ich interessant:

In Freiburg gibt es seit 5 Jahren ein “Uniseum“, ein Schaufenster der Universität, Ort der Begegnung, Einrichtung für vielfältige Lehrveranstaltung und darüber hinaus auch Museum. Das Konzept scheint erfolgreich zu sein und das wird demnächst gefeiert.

Wer zu viel vor dem Computer sitzt (z.B. um Blogs zu lesen oder schreiben) und auf sein Gewicht achten muss, der wird sich für eine Entdeckung an der Uni Bonn interessieren: nicht alles Fett ist schlecht, braune Fettzellen lassen den Leibesumfang schmelzen.

Die FU Berlin schreibt acht Doktorandenstipendien der Berlin Graduate School for Transnational Studies aus.

An der Universität Duisburg-Essen wird ein neues Prämiensystem für Kfz-Versicherungen erforscht. Keinen Pauschalbeitrag mehr, sondern eine Gebühr nach dem persönlichen Fahrverhalten.

In München gibt es eine neue Lernfabrik. Das nach eigenen Angaben weltweit einmalige Aus- und Weiterbildungsangebot beschäftigt sich mit Energieproduktivität. Es soll Unternehmen helfen, Energiekosten um 30% zu senken, um so Geld zu sparen und die Umwelt zu schützen.

Post Pisa Phänomene 2020

Dezember 3rd, 2009

Prof. Dr. Stephan Jansen, Präsident der Zeppelin Universität, hat auf dem Telekom-Trendforum einen Vortrag über das deutsche Bildungssystem, Trends und Entwicklungen, gehalten. Titel: “Post Pisa Phänomene 2020″.

Unter dem Motto “Thesen zur Bildung der Zukunft und zur Zukunft der Bildung” stellt er in seiner Thesenpräsentation auf Basis einer internationalen Vermessung des Bildungsmarktes 2009 die besondere Bedeutung des deutschen Bildungsmarkts in einer Informations- und Wissensgesellschaft für die kommenden Jahre zur Diskussion.
Themen:
• Wie werden wir lernen?
• Wie werden Unternehmen altern?
• Wer wird Bildung bezahlen? Wie werden wir das finanzieren?
• Wie entwickeln sich Universitäten?
• Wie entwickeln Unternehmen in Zukunft Personal?
• Wie müßte Deutschland seine Talente managen?

Die ersten 3:30 Minuten kann man überspringen, das ist Werbung, dann wird es spannend.

Link: Stephan Jansen - Post Pisa Phänomene 2020

Ein Minister im besetzten Audimax

November 24th, 2009

Ein interessanter Artikel über den gestrigen Besuch des bayrischen Kultusministers bei den protestierenden Studenten der LMU von einem anwesenden Professor.

Bedenkt man den Umfang der Proteste, ist es weiterhin verblüffend, wie wenig das Thema in den Pressemitteilungen der Universitäten erwähnt wird. Interessant ist auch der unterschiedliche Umgang mit den Protestierenden:
Einerseits kommt der Rektor der Uni Erlangen in den besetzten Hörsaal und hält unter dem Motto “Wir sind in vielen Punkten nicht weit auseinander” eine “an vielen Stellen von Beifall und nur selten von Protestrufen unterbrochen[e]” Rede. mehr
Andererseits ließ die Uni Köln ihre Aula von der Polizei räumen. mehr Ich muss gestehen, dass ich Verständnis für diese Lösung habe. Die Proteste sind in einigen Punkten berechtigt, aber ich finde es unangebracht, dass eine verhältnismäßig kleine Gruppe die Mehrheit ihrer Kommilitonen um die erwünschten Lehrveranstaltungen bringt.

Ein Punkt, an dem die Proteste wahrlich berechtigt sind, ist die Finanzausstattung der Universitäten. Die kann einen wahrlich depressiv machen. Zu diesem Thema forscht auch die Uni Bonn und sucht Probanden. mehr

Die FU Berlin sucht auch, nämlich Gastfamilien für amerikanische Austauschstudenten. mehr

Uni News: Revolution und Erfolge

November 17th, 2009

- An einigen Universitäten wird wieder Revolution geprobt. Was es selbst bis in die Tagesschau geschafft hat, wird in den Pressemitteilungen der Universitäten erstaunlicher Weise kaum erwähnt. Dort wo es erwähnt wird lautet der Tenor meist “Reden ja, Hörsäle besetzen nein. Modifikationen beraten ja, grundelgende Änderungen nein.” Revolution

Eine interessante Anekdote aus Würzburg: die Protestler wollten ursprünglich einen Mathematik-Hörsal besetzen, wurden aber von den Mathe-Studenten wieder vertrieben: die wollten lieber ihre Vorlesung hören, als protestieren. Daraufhin wurde eben das AudiMax der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät besetzt. Dort war der Widerstand weniger Entschieden, so dass die 200 Lernwilligen sich den 50 Demonstranten geschlagen gaben und die Hörsaalbesetzung erfolgreich verlief.

- Die FU Berlin und die TU München freuen sich über schöne Erfolge:

In der TUM konnte die neugegründete erste deutsche Fakultät für Lehrerbildung und Bildungsforschung einen Traumstart hinlegen. Es konnte die Rekordsumme von 16 Millionen Euro Stiftungsmitteln eingeworben werden. Diese hohe Spendenbereitschaft zeigt auch die Bedeutung, die dem Thema Lehrerbildung zugemessen wird. Zur Presseerklärung.

Die FUB bejubelt das gute Abschneiden ihrer Politikwissenschaftler bei einem internationalen Ranking: “Politikwissenschaftler der Freien Universität gehören europaweit zu den besten – CHE-Ranking stuft das Fach in die Exzellenz-Gruppe ein”, heißt es in der Pressemitteilung.

- Zum Abschluss noch zwei Forschungsprojekte zum Thema Sprache:
Forscher untersuchen Baby-Geschrei und finden heraus: Schon wenige Tage alte Babys schreien in ihrer Muttersprache.
Jugendliche untersuchen ihre eigene Sprache: in einem Internetportal wird Jugendsprache erforscht.

Krasse Bearbeitungszeit

November 16th, 2009

Wow, ich bin es ja gewohnt, dass Uni-Stellen manchmal etwas langsamer arbeiten, aber 1 Jahr und 8 Monate sind schon eine lange Zeit für die Weiterleitung einer Email…

(Aber: immerhin nett, dass sie es jetzt noch machen und mir dies freundlich mitteilen :-) . )

Uni News: Lehre im Fokus

Oktober 19th, 2009

Das neue Semester beginnt. Die Zeit in der die Assistenten relativ ruhig forschen können geht zu Ende ;-) . Wir wünschen allseits einen guten Start. Dieses Jahr scheint im Zeichen neuer Einschreib-Rekorde zu stehen. Einige Unis vermelden die höchste Zahl an Studienanfängern ihrer Geschichte. Viel zu tun für die Assistenten.

Passend zum Semesterstart beschäftigen sich einige Uni-Presseerklärungen mit dem Thema Lehre. Nach und nach scheint sich hier etwas zu bewegen. Während man früher oft den Eindruck hatte, dass es sich nur um ein notwendiges Übel handelt (“Blöde Studenten, halten mich von meiner Forschung ab.”), rückt sie bei immer mehr Universitäten in den Fokus. Der Wettbewerb “Lehre im Fokus” hat seine Sieger verkündet:
Die Hochschulen mit den besten strategischen Gesamtkonzepten zur Stärkung der Hochschullehre sind unter den Fachhochschulen:
Hochschule Bremerhaven, HAW Hamburg, FH Köln, FH Potsdam
Sechs Siegeruniversitäten werden künftig gefördert und erhalten das Preisgeld von je einer Million Euro:
RWTH Aachen, Universität Bielefeld, Universität Freiburg, TU Kaiserslautern, TU München, Universität Potsdam

Interessant finde ich z.B. die neuen Ansätze der TU München. Dort gibt es neuerdings Freisemester für die Lehre, in denen man neue Skripte konzipieren kann, u.ä. Das hat manch einer wirklich dringend nötig. Außerdem ist es ein gutes Zeichen, einen Kontrapunkt zu den Forschungsfreisemestern zu setzen. Lehre endlich nicht nur als lästige Pflicht, von der man gerne befreit werden möchte.

Eine weitere gute Entwicklung zum Thema Lehre ist in meinen Augen die Verbreiterung des Angebots um praxisrelevante Vorlesungen. Die Uni Würzburg bietet neuerdings im Rahmen des Career Service Schulungen an, die auf den Berufseinstieg vorbereiten. Angefangen von Rhetorik über Präsentationen bis hin zur Berufsfindung. In die Richtung gab es zwar an meinen Unis immer wieder mal vereinzelte Angebote engagierter Professoren, aber nie umfassend und strukturiert.

Hoffen wir, dass diese Tendenzen anhalten und sich über unsere ganze Hochschullandschaft verbreiten

Was tut sich eigentlich so an deutschen Hochschulen? Wäre eine kleine Übersicht mit interessanter Uni-News nicht eine gute Ergänzung für diesen Blog? Aber leichter gesagt als getan. Es ist verblüffend, wie unterschiedlich die Hochschulen mit dem Thema Presse- und Öffentlichkeitsarbeit umgehen. Einige, wie z.B. die TU München, HU Berlin, Erlangen oder meine Heimat-Uni Würzburg, machen es vorbildlich: eine schöner Bereich für Presse und Nachrichten und PR-Erklärungen, die man als RSS-Feed abonnieren kann.
Die Mehrheit ist ganz offensichtlich noch nicht im Web 2.0-Zeitalter angekommen, haben aber immerhin so etwas wie Presseerklärungen, die man sich aber bitte alle einzeln runterladen soll. Manchen ist noch nicht einmal bewusst geworden, dass es vorteilhaft sein könnte, überhaupt Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben.

Jede Woche alle Seiten mit Presseerklärungen aller Unis anzusteuern ist mir ehrlich gesagt zu mühsam. Aber die diversen RSS-Feeds habe ich mir mal abonniert (und freue mich über Hinweise wo es noch welche zu finden gibt). Mal sehen, ob es da ab und an mal interessante Neuigkeiten zu vermelden gibt.

Wussten Sie z.B., dass die Uni Erlangen Schüler mit einem Segelschiff auf Weltreise schickt um den Spuren großer Entdecker zu folgen? Cooles Projekt, sowas hätte mir auch Spaß gemacht.  Nur leider wird in der Presseerklärung nicht deutlich, warum.
Nicht nur Schüler werden von Erlangen gefördert, auch die Lehrer werden weiter unterstützt: Im “Kontaktstudium für Geschichtslehrer“  gibt es Vorträge, Workshops und Diskussionen.

Mir gefällt auch, wie die FU Berlin sich nach außen öffnet, indem sie öffentliche Vorlesungsreihen veranstaltet. Dieses Semester zu den Themen „Denkräume der Philologie“ und „Film macht Schule – Was lehrt das Kino?“. Hier erfährt man mehr.

Neulich sprach ich mit der Leiterin einer großen Uni-Bibliothek. Sie findet scholarz.net große Klasse und glaubt, dass die Studenten und Doktoranden ihrer Uni eine solche Lösung gut gebrauchen könnten. Also habe ich ihr von unseren Campus-Accounts erzählt: wir binden scholarz.net in die Uni-Homepage ein, die Leute können die Software innerhalb der Uni-Seiten mit ihrem Uni-Login verwenden und die Universität bekommt obendrein noch ein internes soziales Netzwerk, mit dem sie Studenten, Wissenschaftler und Alumni vernetzen kann.

Der besondere Charme: das geschlossene Uni-Netzwerk bleibt Teil der weltweiten Community. Man kann sich mit seinen Lehrstuhl-Kollegen vernetzen, aber gleichzeitig auch mit Forschungspartnern an anderen Unis zusammenarbeiten. Man baut nicht nur ein Spaß-Netzwerk, sondern eine echte Arbeitsplattform. Wechselt man eines Tages die Uni, behält man seinen Account und die eigenen Daten. Man klinkt sich aus dem einem Uni-Netz aus und klinkt sich in das andere Uni-Netz wieder ein. Dass es eine zentrale Lösung gibt, bringt also nicht nur enorme Kostenersparnisse, sondern auch einen großen funktionalen Vorteil für die Nutzer.

All dem stimmte die Dame auch zu, aber sie ist trotzdem nicht an einem Campus Account interessiert. Grund: sie schreiben gerade einen DFG-Förderantrag, um sich eine eigene vergleichbare Lösung zu bauen.

?!????xxx??

Sehe ich das richtig? Da werden Unsummen an Forschungsgeldern aus dem Fenster geworfen, nur um etwas zu entwickeln, das es schon gibt? Außerdem fängt man wieder an, Insellösungen zu realisieren, obwohl doch eine zentrale Lösung für die Forscher weitaus besser und für die Universitäten in Entwicklung und Vertrieb weitaus günstiger wäre? Was soll man da noch sagen?

Ich gebe natürlich unumwunden zu, dass bei meinem Verdruss auch eine Portion Eigennutz enthalten ist und ich vielleicht nicht ganz objektiv bin. Natürlich glaube ich, dass scholarz.net diese zentrale Lösung sein könnte/sollte. Aber unabhängig davon: x parallele Insellösungen zu entwickeln ist Unfug und Geldverschwendung.

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