Wo liegt meine Leidenschaft? Was ist meine große Fähigkeit? Wie finde ich den Job, der mich erfüllt?
Konfuzius sagte “”Such dir eine Aufgabe, die du liebst und du wirst nie wieder arbeiten müssen.”
Martin Luther prägte den Begriff “Beruf” als Ableitung von dem eigentlich geistlich zu verstehendem Begriff “Berufung”.
Doch wie viele leben im Beruf wirklich ihre Berufung? Zum Ende von Studium und Promotion hin wird dies Frage immer drängender: was will und kann ich wirklich? Wo liegen meine Berufung und Leidenschaft? Bleibe ich an der Uni, gründe ich ein Startup oder bewerbe ich mich lieber in der Verwaltung?
Natürlich kann uns niemand diese Frage abnehmen, aber es gibt Techniken, die einem helfen, dem Kern der Frage näher zu kommen.
1. Worin sind Sie gut?
Jeder Mensch hat Fähigkeiten und Stärken. Jeder hat Situationen erlebt, die er/sie gut gemeistert hat. Das zeigt sich schon in der Kindheit und verfestigt sich nach und nach. Waren Sie ein guter Schreiber, Redner, Zeichner, Organisator, Erklärer, Freund, Handwerker…? Denken Sie mal darüber nach. Nehmen Sie sich mindestens 30 Minuten für diese Frage. Rufen Sie sich möglichst viele Aufgaben ins Gedächtnis, die Sie gut erfüllt haben. Im Arbeitsalltag, Projekten, Ehrenamt und Hobby. Machen Sie eine Liste. Ich bin überzeugt: da wo Ihre Begabung liegt, da liegt auch Ihre Berufung.
Und Achtung: Stellen Sie Ihr Licht nicht unter den Scheffel. Viele Menschen denken, dass ihre Fähigkeit nichts besonderes sei. “Das ist doch selbstverständlich, das kann doch jeder.” Dabei übersehen Sie, dass sie genau hier eine Stärke haben.
2. Was fasziniert Sie?
Manchmal packt einen im Alltag eine Begeisterung. Man macht etwas und ist plötzlich Feuer und Flamme. Das können kleine Aufgaben im Arbeitsalltag sein, oder in der Freizeit, oder in Beziehungen. Was waren das für Momente? Bei welchen Tätigkeiten vergessen Sie die Zeit? Nehmen Sie sich wieder eine halbe Stunde und schreiben Sie alles auf.
3. Worüber lesen Sie?
Welche Themen können Sie stundenlang verschlingen? Auf welche Zeitung freuen Sie sich besonders? Worum geht es in den Blogs, die Sie abonniert haben? In welcher Ecke des Buchladens treiben Sie sich immer herum? Schreiben Sie alle Themen auf Ihre Liste.
4. Wovon träumen Sie heimlich?
Vielleicht gibt es irgendeinen verrückten und unrealistischen Traum, irgendeinen ausgefallenen Beruf, der Sie heimlich reizt? Sie wollten schon immer Autor, Künstler, Arzt, Bundeskanzler, Unternehmer, oder sonst etwas sein, aber eine Angst oder ein Selbst-Zweifel hat Sie davon abgehalten? Schreiben Sie den Traum auf Ihre List, egal wie absurd. Auch wenn Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nie BundeskanzlerIn sein werden, so kann der Traum doch ein Fingerzeig sein.
5. Lernen, fragen, notieren
Ok, Sie haben eine Liste. Vielleicht kristallisieren sich schon die ersten roten Fäden heraus. Nehmen Sie sich den Punkt von der Liste, der Sie am meisten begeistert. Jetzt finden Sie alles darüber heraus. Reden Sie mit Leuten, die in diesem Bereich erfolgreich sind: vielleicht über ihren Blog, oder per Mail, oder auf Konferenzen. Finden Sie heraus, welche Fertigkeiten man für diese Tätigkeit benötigt und wie der Alltag aussieht.
6. Experimentieren, ausprobieren
Machen Sie etwas in dem Bereich, der Sie fasziniert. Wie fühlt es sich an, wenn Sie es im kleinen ausprobieren? Versuchen Sie etwas Feedback zu bekommen. Aber viel wichtiger: achten Sie darauf, wie es sich anfühlt, wie es Ihnen dabei geht. Freuen Sie sich darauf, reden Sie gerne darüber, sind Sie mit Begeisterung dabei?
7. Dinge eingrenzen
Wiederholen Sie die Schritte 5 & 6 mit verschiedenen Punkten von Ihrer Liste. Das kann ein paar Monate dauern. Dann fragen Sie sich:
Bei welcher Tätigkeit war ich mit der größten Begeisterung bei der Sache? Aus welcher dieser Dinge kann ich etwas ableiten, womit ich meinen Lebensunterhalt verdienen könnte? Wofür würden die Menschen zahlen? Was könnten Sie sich vorstellen, mehrere Jahre lang zu machen? Wählen Sie eine Aufgabe und wagen Sie die Schritte 8-10.
8. Die Furcht besiegen
Dies ist für die meisten die größte Hürde. Sicherheitsdenken, Selbstzweifel und die Furcht vor dem Scheitern. Aber sie sind überwindbar. 1. Anerkennen und benennen Sie alle Ängste. 2. Schreiben Sie jeden Zweifel auf, um ihn zu externalisieren. 3. Akzeptieren Sie ihn. Es ist keine Schande, Angst zu haben. Die hat jeder vernünftige Mensch. 4. Malen Sie sich das Schlimmste aus, was passieren könnte. Was ist der Worst Case? Meistens ist er nüchtern betrachtet gar nicht so dramatisch. 5. Unternehmen Sie die ersten Schritte. Machen Sie so kleine Schritte wie möglich, freuen Sie sich über alles, was passiert. Feiern Sie jeden noch so kleinen Erfolg.
9. Zeit nehmen
Sie haben nicht die Zeit ihrer Berufung zu folgen? Verdammt, dann nehmen Sie sich die Zeit! Wenn Ihnen etwas wirklich wichtig ist, dann können Sie es auch einrichten. Machen Sie es zu einer Priorität. Stehen Sie eher auf, machen Sie es in der Mittagspause, oder am Wochenende. Wahrscheinlich müssen Sie dafür etwas anderes aufgeben, aber “wat mutt, dat mutt.”
10. Den Lebensunterhalt verdienen
Bei aller Begeisterung: man muss auch davon leben können. Das wird nicht über Nach passieren. Sie müssen anfangen, gut darin werden, mit Leidenschaft bei der Sache sein. Das kann Monate, sogar Jahre dauern, aber es macht ja auch Freude. Nach und nach können Sie einen Weg finden davon zu leben. Überlegen Sie sich: wofür wären die Leute bereit zu zahlen? So kann aus dem Hobby ein Nebeneinkommen werden, und daraus ein Lebensunterhalt.
Viele von uns stehen noch relativ am Anfang unserer Laufbahn. Das macht es leichter. Trotzdem braucht es eine Menge Mut, seine Entscheidungen nach den Kriterien Berufung, Begabung, Leidenschaft auszurichten. Aber wenn ich mich so umsehe, komme ich zu der Überzeugung dass es sich lohnt. Es scheinen die glücklicheren Menschen zu sein, die diesen Weg gegangen sind.
(Inspiriert durch und angelehnt an “The Short but Powerful Guide to Finding Your Passion” auf “Zen Habits“.)

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