Wie kann man bewirken, dass die eigenen Forschungsergebnisse im Internet besser gefunden werden? Dies ist wichtig für die Sichtbarkeit der eigenen Arbeit und die Zitationshäufigkeit. Jöran Beel hat diese Frage zusammen mit seinen Kollegen Bela Gipp und Erik Wilde wissenschaftlich untersucht und stellt die Ergebnisse in einem Gastbeitrag vor::
Wissenschaftler sind faszinierend. Sie investieren Wochen, Monate, ja manchmal sogar Jahre in die Erstellung eines wissenschaftlichen Artikels, zahlen oftmals Hunderte Euro um diesen Artikel dann auf einer Konferenz präsentieren zu dürfen und dann? Dann wenden sie sich dem nächsten Artikel zu, und hoffen, dass ihre alten Artikel von irgendjemandem gelesen und im Idealfall auch noch zitiert werden.
Webmaster sind da anders. Jeder, der eine Website erstellt und diese halbwegs ernsthaft betreibt, hat sich schon einmal Gedanken über „Suchmaschinenoptimierung“ gemacht. Das heißt, er hat sich die Fragen gestellt: Wird meine Webseite eigentlich von Google gefunden? Und indiziert? Und wenn jemand bei Google nach dem Stichwort XYZ sucht, steht meine Seite dann ganz oben in der Ergebnisliste? Und wenn nicht, wie kann ich das ändern? Im Internet gibt es eine riesige Community, die sich mit diesen Fragen beschäftigt (Stichwort SEO, Search Engine Optimization).
Wissenschaftler könnten hier viel von Webmastern lernen. Schließlich nutzen viele Wissenschaftler akademische Suchmaschinen wie Google Scholar für Ihre Literaturrecherche – manche gehen gar nicht mehr in die Bibliothek. Das heißt, Paper die nicht in Google Scholar, CiteSeer, etc. gelistet sind, existieren für manche (viele?) Wissenschaftler gar nicht. Dementsprechend sollten sich Wissenschaftler ebenfalls die Fragen stellen: Wird mein Paper eigentlich von Google Scholar gefunden? Und indiziert? Und wenn jemand bei Google Scholar nach dem Stichwort XYZ sucht, steht mein Paper dann ganz oben in der Ergebnisliste? Und wenn nicht, wie kann ich das ändern?
Zusammen mit zwei Kollegen habe ich im letzten Jahr Google Scholar untersucht, um herauszufinden, wie Google Scholar wissenschaftliche Artikel für eine Stichwortsuche rankt. Die Ergebnisse wurden diesen Monat in unserem Paper „Academic Search Engine Optimization (ASEO): Optimizing Scholarly Literature for Google Scholar and Co.“ im Journal of Scholarly Publishing veröffentlicht (vol. 41, no.2). Die wichtigsten Ergebnisse wollen wir hier vorstellen.
Bevor man überhaupt anfängt zu schreiben, muss man sich im Klaren darüber sein, für welche Stichworte inkl. möglicher Synonyme der Artikel optimiert werden soll. Es gibt viele Tools die einem helfen passende Stichworte zu finden, z.B. Google Trends, Google Insights, Google Adwords, Google Keyword Tool und Spacky.
Die wichtigsten Stichworte sollten dann möglichst oft im Artikel erwähnt werden und auch im Abstract und Titel. Außerdem sollte mindestens jedes mögliche Synonym mindestens einmal im Artikel irgendwo erwähnt werden. Es liest sich vielleicht nicht ganz so gut wenn man beispielsweise einmal „Research Article“ und einmal „Scientific Article“ schreibt aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit später bei Google Scholar gefunden zu werden.
Bei der Angabe von Namen, insbesondere seines eigenen, sollet man konsistent sein falls es verschiedene Möglichkeiten gibt den Namen zu schreiben. In meinem Fall sollte man also immer „Jöran“ schreiben und nicht ab und zu „Joeran“ (falls es gerade kein Ö auf der Tastatur gibt) oder „Joran“. Anderenfalls wird Google Scholar Schwierigkeiten haben die Namen zu identifizieren und Zitationen richtig zuzuordnen.
Der wichtigste Faktor für ein gutes Ranking bei Google Scholar sind Zitationen. Das heißt, wann immer es passt, sollte man seine eigenen Arbeiten zitieren. Google Scholar unterscheidet nämlich nicht zwischen Selbstzitationen und Zitationen von Dritten. Sprich, jede Referenz erhöht das Ranking (natürlich sollte man nicht jeden x-beliebigen Artikel von sich zitieren, das versteht sich von selbst). Es kann auch nicht schaden in der Referenzliste bei den eigenen Artikeln anzugeben wo diese heruntergeladen werden können. Unter Umständen nutzen akademische Suchmaschinen diese Links und auch wenn nicht, hilft dies zumindest den Lesern.
Ein Punkt, über den sich unserer Erfahrung nach die Wenigsten Gedanken machen sind Grafiken und Tabellen. Oftmals enthalten Grafiken und Tabellen wichtige Schlüsselwörter aber werden als normale Grafik eingefügt (z.b. JPEG, GIF, PNG oder BMP). Das Problem ist, dass Google Scholar „normale“ Grafiken nicht indiziert. Es ist also sehr wichtig, dass Grafiken und Tabellen als normaler Text oder Vektorgrafik eingefügt werden. Nur so kann Google Scholar den Inhalt verstehen und den Artikel für entsprechende Suchen in der Ergebnisliste anzeigen.
Schließlich muss der Artikel von Google Scholar gefunden werden können. Wurde er bei einem bekannten Publisher (z.B. IEEE oder ACM) veröffentlicht, wird Google Scholar automatisch den Artikel vom Publisher erhalten. Kooperiert der Publisher nicht direkt mit Google Scholar, ist die einfachste Möglichkeit, den Artikel später aus einem anderen Artikel heraus zu zitieren der bei Google Scholar indiziert ist. In jedem Fall sollte der Volltext des Artikels auch im Internet veröffentlicht werden, beispielsweise auf der eigenen Homepage oder der Institutswebseite. Nur so kann Google Scholar den Volltext indizieren und darauf verlinken. Zwar verlinkt Google Scholar auch PDFs z.B. von ACM oder IEEE aber diese können in der Regel nur gegen Gebühr heruntergeladen werden. Wenn man also möchte, dass möglichst viele Leute einen Artikel lesen, sollte dieser als PDF frei verfügbar im Internet sein (natürlich muss man aufpassen, dass der eigentliche Publisher diese Praxis auch erlaubt). Es kann auch helfen den Artikel bei den verschiedensten sozialen Netzwerken hochzuladen. Zum Beispiel hat Google Scholar in Experimenten von uns Artikel indiziert die auf www.academia.edu hochgeladen waren obwohl diese Artikel Google Scholar vorher unbekannt waren.
Zu guter Letzt bietet Google Scholar eine sehr interessante Funktion. Wenn Google Scholar zwei PDFs von dem gleichen Artikel findet und diese PDFs sich leicht unterscheiden, indiziert Google Scholar beide PDFs so, als wären sie ein PDF. Das heißt, wenn man irgendwann feststellt, dass einige wichtige Stichworte in einem bereits veröffentlichten Artikel fehlen, dann könnte man eine modifizierte Version im Internet veröffentlichen und wenn Google Scholar dieses PDF indiziert hat würde der (alte) Artikel zu diesen Wörtern gefunden. In wieweit dies dem Wissenschaftskodex entspricht, wäre – unserer Meinung nach – höchste Zeit zu diskutieren. Wir halten es für sinnvoll, sofern der modifizierte Artikel als solcher gekennzeichnet wird.
Mehr Informationen können in den folgenden Artikeln gefunden werden, die alle zum Download auf http://www.sciplore.org/publications_en.php angeboten werden.
Jöran Beel, Bela Gipp, and Erik Wilde. Academic Search Engine Optimization (ASEO): Optimizing Scholarly Literature for Google Scholar and Co. Journal of Scholarly Publishing, 41 (2): 176–190, January 2010.
Jöran Beel and Bela Gipp. Google Scholar’s Ranking Algorithm: The Impact of Citation Counts (An Empirical Study). In André Flory and Martine Collard, editors, Proceedings of the 3rd IEEE International Conference on Research Challenges in Information Science (RCIS’09), pages 439–446,
Jöran Beel and Bela Gipp. Google Scholar’s Ranking Algorithm: An Introductory Overview. In Birger Larsen and Jacqueline Leta, editors, Proceedings of the 12th International Conference on Scientometrics and Informetrics (ISSI’09), volume 1, pages 230–241, Rio de Janeiro (Brazil), July 2009.
Jöran Beel and Bela Gipp. Google Scholar’s Ranking Algorithm: The Impact of Articles’ Age (An Empirical Study). In Shahram Latifi, editor, Proceedings of the 6th International Conference on Information Technology: New Generations (ITNG’09), pages 160–164, Las Vegas (USA), April 2009.

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